Aachener Bestattungskultur im Wandel der Zeit

Die Bestattungskultur besitzt auch in Aachen eine jahrtausendelange Tradition. In den menschlichen Abschiedsritualen spiegelten sich zu jeder Zeit das gesellschaftliche Bewusstsein und die religiöse Identität der Gemeinschaft, aber auch die ganz praktische soziale Geborgenheit. Die Bestattung hatte eine spirituelle Bedeutung, die gegen Ende des letzten Jahrhunderts zunehmend einer Versachlichung weichen musste.

Wir wissen aus Erfahrung, dass die Art der Abschiednahme für den Trauernden von größter Wichtigkeit ist. Einer leichtfertigen Entsorgungsmentalität möchten wir mit unserer Arbeit entgegen wirken. Jeder Mensch ist unterschiedlich, und so sollte auch sein Abschied gestaltet sein. Dies ist auch bei kleineren Budgets möglich.

In Westeuropa sind neben der traditionellen Erdbestattung im Sarg in den letzten Jahren neue Bestattungsformen hinzugekommen. Auch die Bedeutung der Aufbahrung ist wieder mehr ins Bewusstsein gerückt. Diese intensive letzte Begegnung hilft dabei, den Tod zu realisieren und den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nachzuspüren. Die Angehörigen erhalten so die Möglichkeit, sich sehr bewusst zu verabschieden.

Bei Trauerfeiern hat sich die individuelle Gestaltung der Abläufe durchgesetzt. Eine persönliche Trauerfeier bietet den Anwesenden Halt, sie führt Familie und Freundeskreis des Verstorbenen noch einmal zusammen und bleibt lange im Gedächtnis.

Aachener Bestattungsgeschichte (Galerie)

Ein Blick in die Aachener Geschichte und ein kurzer Rundgang über den Aachener Ostfriedhof beschreiben den Umgang unserer Vorfahren mit dem Tod.

Der Karlsschrein

Karl der Große, einer der bedeutendsten Aachener, hatte maßgeblichen Einfluss auf die lokale Bestattungskultur. Er setzte das Verbot der damals verbreiteten Feuerbestattung zugunsten der Körperbestattung im Jahr 785 durch. Da sein Reich weite Teile des heutigen Europa ausmachte, war die Feuerbestattung bereits im neunten Jahrhundert nahezu unbekannt. Karl der Große selbst wurde im Münster zu Aachen bestattet, im Südschiff sind seine Gebeine bis heute zu betrachten.

Der Ostfriedhof

Neuere Gräber von Bedeutung findet man auf dem Aachener Ostfriedhof. Dieser wurde um die Wende zum 19. Jahrhundert angelegt, als die bestehenden Kirch- und Friedhöfe zu wenig Platz boten. Die Verstorbenen wurden mit Fuhrwerken auf den damals noch außerhalb der Stadt gelegenen "neuen Kirchhof" überführt. Diese für Preußen beispielhafte Entwicklung war verantwortlich dafür, dass viele deutsche Bestattungshäuser aus Fuhr- oder Stellmacherbetrieben entstanden sind.

Die heute noch erhaltenen Grabmäler des Ostfriedhofs erzählen von den Vorfahren vieler wichtiger Aachener Familien. Nebenstehende Beispiele zeigen eine Auswahl von Grabdenkmälern, die durch ihre kunstvolle Gestaltung zu einem Spaziergang über den Ostfriedhof einladen.